ENKostenlos planen

Studie

Die 10-%-Regel ist falsch: 500 Räume ausgewertet

„Rechne 10 % Verschnitt drauf“ steht in jedem Baumarkt-Ratgeber. Wir haben 500 Grundrisse durch dieselbe Verlege-Engine geschickt, die auch im Tool rechnet, und den tatsächlichen Mehrbedarf gemessen. Ergebnis: Der Median liegt bei 8,4 % – die Faustregel klingt also plausibel. Nur trifft sie fast nie zu. Bloß 106 der 500 Räume (21 %) landen überhaupt im Fenster zwischen 8 und 12 %. In 202 Räumen (40 %) reichen 10 % nicht, in 148 Räumen (30 %) genügen weniger als 5 %. Die Spanne reicht von unter 0 % bis 58,5 %. Eine Regel, die in vier von fünf Fällen daneben liegt, ist keine Regel, sondern ein Mittelwert mit Marketing.

Von der floorplanning.app Redaktion

Die 10-%-Regel ist falsch: 500 Räume ausgewertet

Gerechnet, nicht geschätzt

Jeder der 500 Fälle wurde vollständig verlegt: Das Raster wird über die reale Raumgeometrie gelegt, jede Fliese einzeln geprüft, jeder Zuschnitt gezählt und jedes wiederverwendbare Reststück in die Kaufmenge zurückgerechnet. Kein Aufschlagsfaktor, keine Formel – dieselbe Berechnung, die im Tool hinter jeder Zahl steht.

Plattenplan: jede gekaufte Fliese als Balken mit den daraus geschnittenen Stücken

Darauf kommt es in der Praxis an

Der eigentliche Treiber ist nicht die Fläche

Die beste Vorhersage liefert nicht die Quadratmeterzahl, sondern wie viele Fliesen überhaupt in den Raum passen. Räume, in die weniger als 25 Fliesen gehen, brauchen im Median 17,2 % Aufschlag – und in 82 % der Fälle mehr als 10 %. Bei 150 bis 400 Fliesen sinkt der Median auf 2,0 %, und kein einziger Raum überschreitet die 10 %. Der Rand bleibt gleich lang, die Fläche wächst: Das ist die ganze Mathematik dahinter.

Großformat kostet doppelt

Formate bis 30×30 kamen im Median mit 2,4 % Aufschlag aus, Formate ab 60×80 brauchten 13,9 % – fast das Sechsfache. Bei Großformaten überschritten 70 % der Räume die 10-%-Marke, bei Kleinformaten nur 8 %. Wer auf 120er-Platten umsteigt, zahlt also nicht nur den höheren Quadratmeterpreis, sondern kauft auch deutlich mehr Fläche, als er verlegt.

Reststücke schlagen jede Faustregel

Rechnet man wie ein Laie – jede angeschnittene Fliese ist verbraucht –, steigt der Median auf 13,8 % und 65 % der Räume liegen über 10 %. Werden saubere Reststreifen an anderer Stelle weiterverwendet, sinkt der Bedarf im Median um 5,5 Prozentpunkte. Diese eine Arbeitsweise verändert das Ergebnis stärker als jede Wahl von Startpunkt oder Verlegerichtung.

Der überraschendste Befund: Optimierung bringt hier nichts

Wir haben zusätzlich für jeden Raum den materialsparendsten Rasterversatz gesucht. In 497 von 500 Fällen fand die Optimierung nichts Besseres als den simplen bündigen Start in der Ecke. Das ist kein Argument gegen Optimierung, sondern eine Präzisierung: Sie zahlt sich dort aus, wo man aus optischen Gründen eben nicht bündig anfängt – bei symmetrischen Achsen, Mustern und gedrehten Rastern. Für den geraden Verband an der Wand ist der naive Start bereits das Optimum.

Verteilung des Mehrbedarfs über 500 Räume

Jeder Balken zählt Räume. Wäre die 10-%-Regel richtig, müsste sich alles um den markierten Bereich drängen. Stattdessen ist die Verteilung breit und rechtsschief: Die Ausreißer nach oben sind kleine Räume mit großen Formaten.

8–12 %: nur 106 von 500 Räumen0204060805947<026101418222630+Mehrbedarf über der Raumfläche (%)Räume: 500
n = 500 Räume, gerade Verlegung, bündiger Wandstart, Reststücke wiederverwendet, ohne zusätzliche Reserve.

Mehrbedarf nach Raumgröße

Je kleiner der Raum, desto stärker fällt der Rand ins Gewicht. Unter 4 m² ist die 10-%-Regel in fast drei von vier Fällen zu knapp.

RaumgrößeRäumeMedianOberes ZehntelÜber 10 %
unter 4 m²5015,0 %35,9 %72 %
4–8 m²9910,2 %26,4 %54 %
8–15 m²1669,7 %19,6 %48 %
15–25 m²1136,2 %13,4 %27 %
über 25 m²724,9 %9,0 %6 %

Mehrbedarf nach Fliesen pro Raum

Die aussagekräftigste Kennzahl: Wie viele Fliesen passen überhaupt in die Fläche? Wer diesen Wert kennt, braucht keine Faustregel mehr.

Fliesen im RaumRäumeMedianOberes ZehntelÜber 10 %
bis 2514017,2 %32,7 %82 %
25–601899,2 %14,8 %43 %
60–1501215,3 %8,6 %5 %
150–400472,0 %4,3 %0 %

Mehrbedarf nach Raumtyp

Kein Raumtyp ist „schuld“ – die Reihenfolge folgt schlicht der typischen Größe und dem üblichen Format.

RaumtypRäumeMedianOberes ZehntelÜber 10 %
Gäste-WC4015,0 %36,1 %73 %
Balkon3512,4 %26,9 %74 %
Flur759,6 %26,8 %47 %
Küche659,6 %16,7 %49 %
Bad859,1 %17,4 %42 %
Schlafzimmer607,3 %19,8 %33 %
Terrasse606,6 %17,2 %25 %
Wohnzimmer804,9 %10,4 %11 %

Rohdaten und Methodik

Alle 500 Fälle einzeln, mit Maßen, Format, Fugenbreite, Zuschnittzahl und dem Mehrbedarf in fünf Szenarien. Nutzung frei mit Quellenangabe „floorplanning.app, Verschnitt-Studie 2026“ und Link auf diese Seite. Für Rückfragen, Gegenrechnungen oder Sonderauswertungen: einfach melden.


Methodik: wie die 500 Räume gerechnet wurden

Die Studie ist bewusst nachrechenbar aufgebaut. Der Raumkatalog wird aus einem festen Seed erzeugt, die Verlegung stammt aus der produktiven Berechnung von floorplanning.app, und beide Ergebnisdateien stehen oben zum Download. Wer den Seed und das Skript nutzt, erhält exakt dieselben Zahlen.

  • Stichprobe: 500 Räume aus acht Raumtypen (Bad, Gäste-WC, Küche, Wohn-, Schlafzimmer, Flur, Terrasse, Balkon), Maße auf 5 cm gerundet, 29 % davon L-förmig oder mit Vorsprung.
  • Formate: acht Innenformate von 20×20 bis 60×120 und fünf Außenformate, gewichtet nach Marktüblichkeit; Fugen 3 mm innen, 5 mm außen.
  • Berechnung: calculateTileLayout legt das Raster über die reale Geometrie und zählt jede Fliese einzeln; computeOffcutReuse verrechnet saubere Reststreifen (Schnittverlust 3 mm, Mindestreststück 8 cm, ein Schnitt je Fliese).
  • Kennzahl: Mehrbedarf = gekaufte Fliesenfläche geteilt durch Netto-Raumfläche minus 1. Reserve für Bruch ist bewusst nicht enthalten.
  • Szenarien je Raum: bündiger Wandstart, Fliese mittig, Fuge mittig, optimierter Versatz, um 90° gedrehtes Format.
  • Grenzen: nur gerade Verlegung, keine Muster, keine Diagonale, keine Sockelleisten und kein Transportbruch. Der Katalog ist synthetisch – es wurden keinerlei Kundenprojekte ausgewertet.

Was daraus für die Bestellung folgt

  1. 1. Faustregel als Notlösung behandeln

    10 % sind eine Zahl für den Fall, dass du den Raum nicht kennst. Sobald du Maße und Format hast, gibt es Besseres.

  2. 2. Raum und Format gemeinsam betrachten

    Nicht die Quadratmeter entscheiden, sondern wie viele Fliesen hineinpassen. Unter 25 Fliesen wird es teuer.

  3. 3. Reststücke einplanen

    Wer Reststreifen konsequent weiterverwendet, spart im Median 5,5 Prozentpunkte – mehr als jede Rasteroptimierung.

  4. 4. Bruchreserve getrennt aufschlagen

    Die gemessenen Werte enthalten keinen Bruch. Übliche 2–5 % kommen auf den berechneten Bedarf obendrauf.


Beispiele aus dem Tool

So sieht das fertig geplant aus

Die Zahlen oben stammen nicht aus einer Tabelle, sondern aus einer echten Verlegung. Diese Beispielprojekte kannst du direkt öffnen – Grundriss, Verlegeplan und Materialliste, so wie das Tool sie ausgibt.

Alle sieben Beispielprojekte ansehen

Öffnet die schreibgeschützte Kundenansicht einer Freigabe – dieselbe, die du mit Premium für eigene Projekte erzeugst.


Häufige Fragen zur Studie

Wie viel Verschnitt muss man bei Fliesen wirklich einrechnen?

Es gibt keinen einzelnen Wert. Über 500 Räume lag der Median bei 8,4 %, die Spanne aber zwischen unter 0 % und 58,5 %. Als grobe Orientierung: große Räume mit kleinen Formaten 2–5 %, mittlere Räume 8–12 %, kleine Räume mit Großformat 15–25 %. Verlässlich wird es nur, wenn man den konkreten Raum durchrechnet.

Warum liegt der Mehrbedarf in manchen Räumen unter 0 %?

Weil die Fugen zur Raumfläche zählen, aber nicht zur Fliese. Geht ein Raster nahezu perfekt auf, deckt die gekaufte Fliesenfläche minimal weniger ab als die Rohfläche des Raums. Das betraf 8 der 500 Räume und ist ein Rechenartefakt, kein Einkaufstipp – ohne jede Reserve sollte niemand bestellen.

Woher stammen die 500 Räume?

Aus einem deterministisch erzeugten Katalog typischer Wohnraum-Geometrien – keine Kundendaten, keine gespeicherten Projekte. Maße, Formate und Fugenbreiten stammen aus marktüblichen Bereichen je Raumtyp, Seed und Skript sind veröffentlicht. Wer die Studie nachrechnen will, bekommt exakt dieselben 500 Räume.

Gilt das auch für Fischgrät oder Diagonalverlegung?

Nein, und das ist bewusst so. Alle 500 Fälle sind gerade verlegt, damit der Effekt von Raumgröße und Format sauber isoliert bleibt. Diagonale und Fischgrät liegen systematisch darüber, weil dort auch an geraden Wänden jede Reihe angeschnitten wird.

Ist Bruch beim Transport eingerechnet?

Nein. Die Studie misst ausschließlich den geometrischen Mehrbedarf durch Zuschnitte. Bruch, Fehlschnitte und späterer Reparaturbedarf kommen obendrauf – üblich sind dafür 2–5 %, unabhängig vom hier gemessenen Wert.

Darf ich die Zahlen zitieren?

Ja, gerne – mit Quellenangabe „floorplanning.app, Verschnitt-Studie 2026“ und Link auf diese Seite. Rohdaten und Aggregate stehen oben zum Download, damit jede Redaktion selbst nachrechnen kann.


Passende Ratgeber

Den eigenen Raum statt eines Medians rechnen

Raummaße und Format eintragen – dieselbe Engine, die diese Studie gerechnet hat, liefert deinen konkreten Bedarf inklusive Zuschnitten.