Ratgeber Aufmaß
Schräger Raum: wie messe ich auf, wenn nichts rechtwinklig ist?
Länge mal Breite ist im Altbau die falsche Formel – nicht, weil sie ungenau wäre, sondern weil sie die falsche Frage beantwortet. Unser Beispielzimmer misst oben 4,20 m und unten 4,02 m: Als Rechteck gerechnet kommst du auf 14,28 m², tatsächlich sind es 13,97 m². Der Flächenfehler von 2 % ist harmlos. Das Problem sind die 18 Zentimeter Schräge, die sich als keilförmiger Anschnitt über eine ganze Wand verteilen – und die in keiner Quadratmeterzahl auftauchen. Du misst deshalb nicht zwei Zahlen, sondern die echte Kontur.
Von der floorplanning.app Redaktion

Erst die Diagonalen, dann die Wände
Miss beide Raumdiagonalen. Sind sie gleich lang, ist der Raum rechtwinklig – sind sie es nicht, weißt du sofort, wie schief er steht. Danach jede Wand einzeln aufnehmen, nicht „gegenüberliegend gleich“ annehmen. Drei Messpunkte je Wand (Anfang, Mitte, Ende) zeigen zusätzlich, ob die Wand selbst bauchig ist – bei Altbau-Putz eher die Regel als die Ausnahme.

Darauf kommt es in der Praxis an
Das Raster bleibt rechtwinklig – der Raum nicht
Fliesen werden nie schief verlegt, um eine schiefe Wand auszugleichen. Das Raster bleibt rechtwinklig und an der schiefen Wand entsteht ein Keil, der von 0 auf 18 cm zuläuft. Genau deshalb entscheidet die Wahl der Referenzwand alles: Richte das Raster an der Wand aus, die man beim Betreten sieht, und schiebe den Keil an die unauffälligste Kante. Im Beispiel: 30 volle Fliesen, 12 Zuschnitte, 42 Platten insgesamt.
Dreiecksmaß für alles, was nicht an der Wand liegt
Erker, abgeschrägte Ecken und schiefe Nischen bekommst du nicht mit dem Zollstock entlang der Wand. Nimm zwei feste Referenzpunkte und miss von beiden aus zum gesuchten Eckpunkt – zwei Längen legen einen Punkt eindeutig fest. Diese Methode braucht keinen rechten Winkel und funktioniert auch dort, wo du gar nicht geradeaus messen kannst.
Die Kontur zeichnen statt sie zu mitteln
Der verbreitete Trick, aus 4,20 und 4,02 einfach 4,11 zu machen, rettet die Fläche und zerstört den Plan: Du siehst nicht mehr, wo der Keil landet. Zeichne stattdessen die echten Eckpunkte ein – das Raster legt sich darüber und die Zuschnitte werden einzeln gezählt, inklusive der schmalen Enden am spitzen Ende des Keils.

Zuschnitte, die keine Formel liefert
Der Unterschied zwischen Rechteck-Annahme und echter Kontur sind hier gut 0,3 m² – aber eben auch zwölf einzeln geschnittene Fliesen, von denen jede ein anderes Maß hat. Genau diese Liste bekommst du aus dem Grundriss und aus keiner Quadratmeterrechnung.
Aufmaß im Altbau: die Werkzeugliste
Für einen schiefen Raum brauchst du keine Spezialausrüstung, sondern eine andere Reihenfolge. Erst die Geometrie prüfen, dann messen, zuletzt zeichnen – wer sofort Länge und Breite notiert, hat den Fehler schon gemacht.
- Beide Diagonalen messen: gleich lang heißt rechtwinklig, sonst nicht
- Jede Wand einzeln aufnehmen, an drei Punkten auf Bauch prüfen
- Freie Eckpunkte über zwei Abstände zu Referenzpunkten festlegen
- Kontur zeichnen statt Maße mitteln – der Keil muss sichtbar bleiben
So gehst du vor
1. Geometrie prüfen
Diagonalen vergleichen und die Abweichung notieren, bevor du irgendetwas zeichnest.
2. Kontur eingeben
Eckpunkte einzeln setzen, statt ein Rechteck anzunehmen.
3. Referenzwand wählen
Raster an der sichtbarsten geraden Wand ausrichten, Keil nach hinten schieben.
Beispiele aus dem Tool
So sieht das fertig geplant aus
Die Zahlen oben stammen nicht aus einer Tabelle, sondern aus einer echten Verlegung. Diese Beispielprojekte kannst du direkt öffnen – Grundriss, Verlegeplan und Materialliste, so wie das Tool sie ausgibt.

Dachzimmer mit Schräge
Fünfeckiger Grundriss statt Länge × Breite: Die Schräge ist als echte Kante gezeichnet, die Dielen laufen längs – jeder Anschnitt an der Schräge ist einzeln gezählt.
- 14,71 m² mit schräger Kante
- Diele 128 × 19 cm, längs verlegt
- 87 Dielen · 11 Pakete

Terrasse auf Stelzlagern
L-förmige Terrasse mit ausgespartem Beet: Plattenraster, Gefälle und jeder einzelne Auflagepunkt – inklusive Stelzlager-Stückliste.
- 20,78 m² · 60 × 60 · Fuge 4 mm
- 79 Platten inkl. 8 % Reserve
- 97 Stelzlager · Gefälle 1,5 %
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Häufige Fragen
Wie messe ich einen Raum auf, der nicht rechtwinklig ist?
Beide Diagonalen messen, jede Wand einzeln aufnehmen und alles, was nicht an einer Wand liegt, über zwei Abstände zu festen Referenzpunkten bestimmen. Aus diesen Punkten entsteht die echte Kontur – Länge × Breite reicht dafür nicht.
Wie viel Unterschied macht ein schiefer Raum beim Material?
Flächenmäßig meist wenig – im Beispiel 0,31 m² auf 14 m², also gut 2 %. Beim Zuschnitt macht es dagegen viel: Statt einer geraden Randreihe entsteht ein Keil, dessen Fliesen alle unterschiedlich geschnitten werden müssen.
An welcher Wand richte ich das Raster aus?
An der geradesten und zugleich sichtbarsten. Die Fugen laufen dann parallel zu der Kante, die das Auge als Referenz nimmt. Der Keil landet an der gegenüberliegenden Wand – idealerweise dort, wo später ein Schrank oder eine Küchenzeile steht.
Ab wann ist eine Wand zu schief zum Fliesen?
Eine Grenze gibt es nicht, aber eine Faustregel: Läuft der Keil an der Sichtwand auf weniger als ein Drittel der Fliesenbreite zu, wirkt er wie ein Fehler. Dann hilft entweder eine andere Referenzwand oder ein Ausgleich mit Putz beziehungsweise einer aufgedoppelten Vorwand.
Kann ich einen bestehenden Grundriss importieren?
Ja. Liegt der Grundriss als DXF vor – etwa vom Architekten oder aus einer Aufmaß-App – kannst du ihn importieren, statt jede Ecke einzeln einzugeben. Die schiefen Wände kommen dabei mit.
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Den eigenen Altbau maßstäblich anlegen
Ecke für Ecke eingeben statt Länge × Breite – das Raster legt sich über die echte Kontur und zählt jeden Zuschnitt.